Podium und Pech in der Grünen Hölle – Giti Tires kämpft sich durch ein Wochenende der Extreme

Das Team Giti Tires Motorsport by WS-Racing blickt auf ein ereignisreiches Wochenende bei den 54. ADAC RAVENOL 24h Nürburgring zurück. Der Langstreckenklassiker war in diesem Jahr von wechselhaften Witterungsbedingungen geprägt, die von anhaltendem Nieselregen über plötzliche Graupelschauer bis hin zu sehr niedrigen Asphalttemperaturen reichten. Inmitten dieser Herausforderungen verbuchte die Mannschaft ein starkes Podiumsergebnis, musste jedoch auch vorzeitige Ausfälle verkraften.

Im sportlichen Mittelpunkt stand das enge Duell um den Klassensieg bei den BMW M240i Racing Cup-Fahrzeugen. Die Startnummer 665, besetzt mit Jan Ullrich, Ulf Steffens, John Von der Sanden und Jannik Reinhard, zeigte über die gesamte Distanz von 24 Stunden eine konstante Leistung im Spitzenfeld. Auch eine Zeitstrafe von 34 Sekunden wegen einer unterschrittenen Mindeststandzeit in der Boxengasse am Samstagabend warf das Quartett nicht entscheidend zurück. In der Nacht und den frühen Morgenstunden spulten die Piloten fehlerfreie Stints ab. Von der Sanden erklärte am Sonntagvormittag während einer temporären Klassenführung: „Wir sind jetzt auf Platz eins. Aber es ist ein bisschen abhängig von der Pitstop-Strategie der anderen Teams.“ Nach 130 absolvierten Runden sicherte sich das Team den zweiten Platz in der Klasse sowie den 52. Gesamtrang. Der Rückstand auf die Klassensieger betrug am Ende 3:16,651 Minuten.

Das Schwesterauto mit der Startnummer 670 ging als Gentleman-Team ins Rennen. Adrien Paviot, Valentin Belgy, Michael Bräutigam und Dennis Garbe konzentrierten sich darauf, das Fahrzeug sicher durch das unvorhersehbare Eifelwetter zu bringen. Bräutigam betonte bereits am Donnerstag die Ausrichtung: „Wir wollen einfach nur sauber durchrollen.“ Da der M240i vor einigen Jahren bereits sein Permitauto war, fand sich er sich auf Anhieb gut zurecht: „Es fühlte sich an wie Fahrradfahren – also nichts verlernt, reingesetzt, direkt wieder wohlgefühlt.“ Trotz einer Zeitstrafe von 62 Sekunden in den frühen Morgenstunden wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung in einer Code-60-Zone erreichte das Team das Ziel planmäßig. Nach 126 Runden belegte die Besatzung den sechsten Platz in der Klassenwertung und den 68. Gesamtrang.

Weniger Rennglück hatte die Mannschaft des Toyota Supra mit der Startnummer 503. Das seriennahe Fahrzeug trat in der Klasse VT2 Heck mit den Fahrern Fabian Pirrone, Thomas Ehrhardt, Niklas Ehrhardt und Julia Ponkratz an. In der ersten Rennhälfte präsentierte sich der Supra konkurrenzfähig und hielt Anschluss an die vorderen Plätze der Klasse. Am frühen Sonntagmorgen um 04:49 Uhr endete der Einsatz jedoch vorzeitig. Nach einem Leitplankenkontakt im Streckenabschnitt Schwalbenschwanz war die Beschädigung am Fahrzeug zu schwer für eine Reparatur vor Ort. Bis zum Ausfall hatte das Team 68 Runden absolviert.

Einen bitteren Rückschlag musste das Team bereits am Donnerstag im ersten Qualifying hinnehmen. Der Porsche 911 GT3 Cup mit der Startnummer 146, bekannt als das reine Frauenteam „Girls Only – Ready to rock the Green Hell“, wurde unverschuldet in einen schweren Unfall verwickelt. In der Xiaomi-Kurve kollidierte Janina Schall mit einem stehenden Fahrzeug. Der Aufprall beschädigte das Chassis so massiv, dass ein Start beim Rennen unmöglich wurde. Teamchef Matthias Möller: „Das Chassis ist gerissen – das war’s leider. Janina Schall trifft dabei keine Schuld. Das haben auch die Sportkommissare bestätigt. Sie musste blitzschnell entscheiden, ob sie den Fahrer, der noch neben seinem Fahrzeug stand, trifft oder das Fahrzeug. Sie hat sich richtig entschieden.“

Trotz des frühen sportlichen Ausfalls bewies das „Girls Only“-Team Sportsgeist und blieb für die gesamte Dauer des Wochenendes vor Ort an der Rennstrecke. Die Fahrerinnen Carrie Schreiner, Janina Schall, Jasmin Halder und Fabienne Wohlwend besuchten gemeinsam mit Teammitgliedern die zahlreichen Zuschauerbereiche entlang Nordschleife. Sie verbrachten viel Zeit mit den angereisten Motorsportfans, standen für unzählige Autogramme sowie Selfies zur Verfügung und blieben somit trotz des Pechs im Qualifying ein prägender Teil des diesjährigen 24-Stunden-Rennens.

Teamchef Matthias Möller resümierte abschließend: „Auch wenn uns der Unfall im Qualifying hart getroffen hat, bin ich unglaublich stolz auf die Moral der gesamten Truppe. Wie die Mädels und das Team das Wochenende an der Strecke und bei den Fans verbracht haben, zeigt den echten Zusammenhalt von ‚Girls Only‘. Wir nehmen den positiven Spirit und das Podium der Startnummer 665 mit und richten den Blick direkt nach vorne.“

Bereits am 20. Juni geht es für das Team in der ADAC RAVENOL Nürburgring Langstrecken-Serie weiter, wenn das nächste Rennen über die anspruchsvolle Distanz von vier Stunden in der Grünen Hölle ausgetragen wird.